Marc Locher, es gibt schon so viele Gastroführer. Warum braucht es auch noch Ihren?
- Wer heute ein Restaurant sucht, macht das zunehmend mobil und übers Internet. Bis vor zwei Jahren gab es da meiner Meinung nach nichts Ansprechendes. Deshalb stürzte ich mich zusammen mit meinem Gründungspartner Qris Riner ins Abenteuer.Was gefiel Ihnen nicht an den bereits vorhandenen Gastroportalen?
- Gastronomie hat etwas mit Emotionen und Tagesaktualität zu tun. Dem wurde bisher von keinem Anbieter in genügendem Masse Rechnung getragen.
Was bietet Lunchgate mehr?
- Wir sind eine Restaurant-Plattform lunchgate.ch, auf der Gäste u.a. tagesaktuelle Mittagsmenüs und Hausspezialitäten einsehen können. Oder wer beispielsweise heute in Zürich ist und Lust auf Zander oder Ratatouille hat, findet innert Sekunden heraus, wo dieser Fisch oder dieses Gemüse gerade frisch aufgetischt wird. Gleichzeitig führen wir unsere Gäste über 360°-Panorama-Aufnahmen virtuell durch das von ihnen ausgesuchte Restaurant. Auch online ist die gesamte Speise- und Weinkarte. Zudem kann man von seinen Stammlokalen den Newsletter abonnieren und erfährt so jeden Morgen automatisch, was das Restaurant zum Lunch bietet. Dieses Angebot ist in der Schweiz einmalig.

Das tönt gut. Aber lang nicht alle Wirte auf Lunchgate liefern täglich ihre frischen Mittagsmenüs. Bei vielen Restaurants sieht man bloss die allgemeine Speise- und Weinkarte. Wieso?
- Die meisten Restaurants zeigen täglich ihre tagesaktuellen Mittagsmenüs. Nur wenige haben bloss ein Dinnerprofil ohne Mittagsmenü-Eingabe. Ab und zu versäumt ein Gastronom auch, die Mittagsmenüs rechtzeitig einzugeben.
Lunchgate gibt es seit zwei Jahren. Wie hat es sich entwickelt?
- Sehr gut. Wir haben operativ, also ohne Einbezug der künftigen Entwicklungskosten, bereits den Breakeven erreicht. Vor zwei Jahren begannen wir mit zwölf Restaurants aus dem Zürcher Seefeld. Mittlerweile sind über 750 Gastronomiebetriebe aus der ganzen deutschsprachigen Schweiz auf Lunchgate vertreten. Rund 80’000 Gäste besuchen jeden Monat unsere Seite, weit über 20’000 Gäste haben die App heruntergeladen und einzelne Gastronomen können bereits 1’300 Kunden täglich mit dem Lunch-Newsletter informieren. Dazu kommen noch alle Besucher und User hinzu, die über unsere Medienpartner oder via Facebook und Twitter von uns hören.
Wie viele Angestellte haben Sie?
- Neben meinem Partner und mir sind es rund zwölf Personen, die sich neun Vollzeitstellen teilen. Nun suchen wir noch eine oder einen Marketingassistenten – Sie sehen: es geht vorwärts! Zusätzlich arbeiten wir mit freien Fotografen zusammen. Sie alle leisten einen super Beitrag!
Wer besucht Ihre Seite?
- Grundsätzlich interessieren sich alle Menschen aus allen Bereichen für unser Portal, die gerne privat oder beruflich auswärts essen und sich über das tagesaktuelle Angebote informieren wollen. Ihnen ist gemeinsam, dass sie gerne fein und gut essen, entsprechend kommen sie eher aus dem mittleren bis gehobenen Segment. Kebab-Stände und andere Imbissbuden sind demzufolge bei uns nicht aufgeführt.
Wie werden die Restaurantgäste auf Sie aufmerksam?
- Wir haben gegen zwei Dutzend Medienpartnerschaften mit Verlagshäusern und Tourismus-Vereinen, wie zum Beispiel mit Ringier, Südostschweiz, Tagblatt Medien, AZ-Medien, etc.. Auf deren Webseiten sind wir der offizielle Gastroführer.
Und wie kommen Sie an die Wirte heran?
- Wir haben Aussendienst-Mitarbeiter und Agenten, die in allen Regionen der deutschsprachigen Schweiz Restaurants besuchen und die Lösung vorstellen. Wir nehmen an Messen teil, wie z.B. die IGEHO, die demnächst stattfindet. Ferner schreiben wir die Betriebe über Fax und Mail an.
Sie sagen, man findet über Lunchgate viele Restaurants der entsprechenden Städte. Noch macht aber nicht jeder Wirt mit, woran liegt es?
- Unser Ziel ist es, möglichst viele Betriebe miteinzubeziehen, denn die Vollständigkeit macht die Plattform für eine rasch wachsende Zahl von Gästen interessant, was wiederum für die Restaurants von Relevanz ist. In Zürich haben wir heute schon 400 Restaurants bei uns, in der City haben wir vermutlich eine Abdeckung von gegen 70 Prozent – und es werden laufend mehr. Bei den anderen Städten sind wir noch nicht so weit, aber die Restaurant-Dichte steigt auch dort unaufhaltsam.
Für die Wirte bedeutet die Teilnahme an ihrem Portal Mehraufwand. Wie überzeugen Sie sie davon?
- Das täuscht. Wir bieten den Wirten ein Tool an, das die Menü-Eingabe im Gegenteil vereinfacht. So müssen sie ihre aktuellen Karte jeweils nur einmal schreiben. Über unsere Applikation wird sie automatisch auf lunchgate.ch, auf den Partner-Plattformen, auf ihrer eigenen Restaurant-Homepage und auf Facebook verbreitet, bzw. synchronisiert. Zudem können die Restaurants die Mittagsmenüs mit ihrem Logo und ihrem Stylsheet ausdrucken und in ihrem Lokal auflegen. Das ist sehr praktisch und kommt absolut professionell daher.
Was zahlen die Wirte für den Auftritt bei Lunchgate?
- Das sind je nach Art des Auftritts zwischen 360 bis 2’400 Franken pro Jahr.
Wann lehnt ein Gastronom ab?
- Wenn unser Auftritt nicht in seinen Kommunikations-Mix passt, das Werbebudget bereits aufgebraucht ist oder wenn es ihm finanziell schlecht geht. Die meisten Gastronomen sind von unserer voll integrierten Lösung und von der Medienleistung über die zahlreichen Kanäle und Medienpartner begeistert, machen mit und bleiben auch bei uns. Wir hatten nach dem ersten Jahr praktisch keine Kündigungen.
Gibt es Belege, dass Gastronome, die bei Lunchgate mitmachen, mehr Gäste bedienen als vor der Zusammenarbeit?
- Durch Lunchgate erhöhen Restaurants Ihre Sichtbarkeit und Reichweite erheblich und können durch unsere zahlreichen Medienpartnerschaften ein Millionenpublikum erreichen. Wir gehören bereits zu einer der dichtesten Plattformen der Schweiz. Was das Restaurant daraus macht, können wir nicht beeinflussen. Da kommt es darauf an, wie die Gäste empfangen werden, ob das Essen stimmt und das Ambiente überzeugen kann. Dazu kommt, dass kaum ein Gast beim Betreten des Restaurants mitteilt, über wen oder welche Plattform er von ihm gehört oder gelesen hat. Das macht das “Zählen” der Lunchgate-Gäste schwierig.
Aber das ist doch ein wichtiges Argument. Sind keine Bestrebungen da, die Gästezahl zu messen?
- Doch, ganz klar. Wir sind daran, ein Reservationssystem einzuführen. Die Gäste können sich dann direkt über Lunchgate einen Platz im Restaurant reservieren lassen. So wird unsere Vermittlungs-Effizienz sichtbar.
Und wann ist es soweit?
- Sehr bald. Mehr darf ich noch nicht vorwegnehmen.
Welche weiteren Pläne haben Sie sonst noch?
- Wir wollen nach Deutschland expandieren und beginnen demnächst in München. Zudem soll ab nächstem Jahr unsere Seite auf verschiedene Sprachen übersetzt werden.
Interview: Christine Schnyder |